Ein Rückblick auf das Creative Bureaucracy Festival 2026 in Berlin

Ein Rückblick auf das Creative Bureaucracy Festival 2026 in Berlin

Endlich mal wieder Berlin

Für mich als Bielefelder ist es immer schön, mal wieder nach Groß-Bielefeld aka. Berlin zu kommen. Dort passieren mir immer unvorhergesehene Dinge. So war es natürlich auch beim Creative Bureaucracy Festival, auf dem ich unser Projekt InnovateNOW präsentieren sollte.

Erste Highlights schon beim Speaker´s Dinner

Auf dem Speaker´s Dinner am Tag vor dem Festival ging es schon sehr gut los. Ich hatte keine hohen Erwartungen an so ein Dinner, aber es ging sofort richtig inspirierend zur Sache: George Papandreou, ehemaliger Premierminister Griechenlands und Audrey Tang, ehemalige Digitalministerin Taiwans, haben Impulse gegeben, die mich echt begeistert haben.

Beide haben deutlich gemacht, dass Veränderungen nur gelingen können, wenn man Menschen zu Mitgestalter*innen der Veränderung macht. Es geht nicht darum, Lösungen und Veränderungen im stillen Kämmerlein zu planen, um sie dann den Menschen zu “verkaufen”. Das ist ja genau das, was wir als Open Innovation City auch propagieren.

Don´t sell solutions. Get people to be co-creators of the solution!

George Papandreou, ehem. Premierminister von Griechenland

Audrey Tang hat in diesem Zusammenhang das Prinzip des Broadlistening vorgestellt; Es geht nämlich nicht darum, wie beim Broadcasting, Veränderungen nach außen zu tragen und zu kommunizieren. Es geht vielmehr darum, zuzuhören, was die Wirklichen Bedarfe der Menschen sind. Anstatt vielen Menschen etwas mitzuteilen, hören wir zu, was viele Menschen zu sagen haben.

Audrey Tang hält ein Mikrofon in der Hand und lacht in Richtung von Charles Landry, der an einem Rednerpult steht.

Ein wirklich großartiges Festival

Am eigentlichen Festival-Tag ging es genau so weiter. Was mir direkt aufgefallen ist: Die Zukunft der kreativen Bürokratie ist weiblich! Der Anteil der weiblich gelesenen Teilnehmenden war mindestens 60%, wenn nicht mehr. Dazu kommt, dass sowohl das Publikum, als auch die Vortragenden wirklich aus der ganzen Welt kamen. Island, Argentinien, Nigeria, Japan, die U.S.A uvm. waren vertreten und alle hatten wirklich Bock darauf, zu lernen und ihre eigenen Erfahrungen weiterzugeben.

Besonders in Erinnerung geblieben sind mir zwei Vorträge. Der erste Vortrag war von Mallam Aliyu Auwal aus Nigeria. Er hat eine Initiative vorgestellt, in der sich illegale Müllsammler*innen gemeinsam organisieren und so aus dem Schatten geholt werden und mehr Sichtbarkeit und Anerkennung bekommen. Echtes Social Entrepreneurship!

Der zweite Vortrag war von Inga Rós Gunnarsdóttir, Chief Data Officer der Stadt Reykjavík. Sie hat über die KI-Strategie und Digitale Souveränität der Stadt Reykjavík berichtet. Dabei setzt Reykjavík komplett auf Microsoft CoPilot, was mich total überrascht hat. Laut Ingas war Microsoft der einzige große Anbieter, der in einen echten Dialog mit der Verwaltung getreten ist. Nur Microsoft hat alle Fragen zum Thema Datenschutz und Datensicherheit beantwortet. Die anderen großen KI-Anbieter hatten daran offensichtlich kein Interesse.

Was mir außer den wirklich interessanten Teilnehmenden und Vorträgen und der super Location noch positiv in Erinnerung geblieben ist: Es gab sehr wenige Panels und dafür mehr Fishbowl-Formate, die auch wirklich von den Teilnehmenden, auch von mir, genutzt wurden. Das bringt viel mehr unterschiedliche Sichtweisen in die Diskussion ein. So macht das Spaß, so muss das sein!

Insgesamt kann ich euch nur allen empfehlen, das nächste Creative Bureaucracy Festival am 2. und 3. Juni 2027 zu besuchen. Es lohnt sich auf jeden Fall!

P.S.: Mein Vortrag hat natürlich auch gut funktioniert. Andere Kommunen zeigen schon ein starkes interesse daran, die Kickbox-Methode zu übernehmen. Insgesamt war das Festival für mich aber viel mehr von dem ganzen Input geprägt, den ich mitnehmen durfte. Da ist mein Vortrag fast schon zur Marginalie für mich geworden. Klingt komisch, ist aber so.