Die Frage, die niemand gern stellt
Zu fast jedem Vorhaben gibt es eine Frage, die im Kopf herumgeht, aber selten offen ausgesprochen wird: Nutzt das überhaupt jemand? Haben wir die Finanzierung wirklich geklärt? Was, wenn die Technik nicht mitspielt? Solche brennenden Fragen bleiben oft unbeantwortet, weil sich niemand traut, sie laut zu stellen, oder weil im Alltag keine Zeit dafür bleibt.
Diese Methode schafft genau dafür einen geschützten Rahmen. In Dreiergruppen stellt eine Person ihre brennende Frage, zwei andere Personen hören zu und beraten sie anschließend. Das Format ist eng getaktet, dadurch bleibt es ehrlich und kommt schnell zum Punkt, statt sich in langen Diskussionen zu verlieren.
Dauer: 30 bis 40 Minuten für eine ganze Gruppe, etwa 10 Minuten pro Person · Beteiligte: Dreiergruppen, insgesamt von 3 bis weit über 30 Personen möglich · Material: pro Gruppe drei Stühle ohne Tisch, Stifte und Papier für Notizen
Diese Methode lebt vom Austausch mit zwei anderen Menschen und lässt sich deshalb nicht wirklich allein durchführen. Was ihr allein vorbereiten könnt: Schreibt eure brennende Frage so konkret wie möglich auf, bevor ihr jemanden um Rat bittet. Eine Frage wie Wird unser Angebot genutzt ist zu groß. Eine Frage wie Wie finde ich heraus, ob Vereinsvorstände unserem Lotsen vertrauen würden lässt sich von anderen besser beantworten.
Wann sich die Methode lohnt
Die brennenden Fragen spielen ihre Stärke aus, wenn
- euch bei eurem Vorhaben eine bestimmte Frage seit Tagen beschäftigt, ohne dass ihr allein weiterkommt,
- ihr aus mehreren möglichen Sorgen zuerst herausfinden wollt, welche davon ihr mit der Methode Die riskanteste Annahme zuerst prüfen als Nächstes angehen solltet,
- in einem Treffen oder Workshop mehrere Teams oder Personen gleichzeitig vor unterschiedlichen Fragen stehen,
- ihr eine schnelle, ehrliche Rückmeldung braucht, statt tagelang allein über einem Problem zu brüten.
Die Rollen
- Die fragende Person: Stellt ihre brennende Frage und hört den Beratenden anschließend nur zu, ohne sich zu rechtfertigen oder zu widersprechen.
- Die beratenden Personen: Zwei weitere Personen aus der Dreiergruppe. Sie stellen zunächst Verständnisfragen und entwickeln danach gemeinsam Ideen, Vorschläge und Ratschläge.
Jede Person kommt im Laufe der Übung einmal als fragende Person und zweimal als beratende Person dran.
So geht ihr vor
1. Die Frage vorbereiten
Jede Person überlegt sich kurz, welche Frage zu ihrem Vorhaben sie gerade am meisten beschäftigt.
2. Die Frage stellen
Die erste fragende Person schildert ihre Frage und den Hintergrund dazu, in zwei bis drei Minuten.
3. Verständnisfragen klären
Die beiden beratenden Personen fragen nach, bis die Situation für sie klar ist. Noch keine Ratschläge, nur Verständnis schaffen.
4. Zuhören, ohne zu reagieren
Die fragende Person wendet sich von den beiden anderen ab oder schließt die Augen und hört nur zu, ohne sich einzumischen.
5. Beraten
Die beiden beratenden Personen entwickeln in vier bis fünf Minuten gemeinsam Ideen und Vorschläge, als würden sie über die fragende Person sprechen, nicht direkt mit ihr.
6. Auswerten
Die fragende Person wendet sich wieder zu und erzählt kurz, was für sie am wertvollsten war.
7. Wechseln
Die Gruppe wechselt die Rollen, bis jede Person einmal die fragende Person war.
So nutzt ihr das in der Kickbox
In jeder Kickbox-Woche taucht mindestens eine Frage auf, die euch wach hält: Reicht unser Budget? Testen wir das Richtige? Glaubt die Jury uns das? Statt mit dieser Frage allein zu bleiben, bringt sie in eine Dreiergruppe, am besten mit Menschen aus anderen Teams oder mit der Mentorin oder dem Mentor eurer Kickbox. Oft reichen die fünf Minuten Beratung, um einen Weg zu sehen, den ihr allein nicht gefunden hättet.
Besonders hilfreich ist die Methode auch dafür, aus mehreren möglichen Sorgen herauszufinden, welche davon tatsächlich am dringendsten ist. Die beratenden Personen hören oft heraus, welche Frage wirklich brennt und welche nur ablenkt. Genau diese brennendste Frage könnt ihr danach mit der Methode Die riskanteste Annahme zuerst prüfen weiterverfolgen.
Tipps aus der Praxis
- Gemischte Dreiergruppen bilden. Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund oder aus unterschiedlichen Teams geben oft die hilfreichsten Perspektiven.
- Fragen stellen statt nur Ratschläge geben. Eine gute Frage an die fragende Person bringt sie oft weiter als ein schneller Tipp.
- Respektvoll auch Unbequemes ansprechen. Wenn den Beratenden etwas auffällt, das die fragende Person offenbar selbst nicht sieht, darf das offen benannt werden, freundlich, aber ehrlich.
- Bei Bedarf eine zweite Runde einplanen. Zwei kürzere Runden bringen oft mehr als eine einzige lange Runde.
Typische Stolpersteine
- Die Frage zu groß oder zu vage stellen. „Wird unser Projekt erfolgreich” lässt sich kaum beraten. Eine enger gefasste Frage bringt bessere Ratschläge.
- Die fragende Person verteidigt sich. Wenn sie während der Beratung eingreift, bricht die Methode ihre eigentliche Wirkung.
- Zu schnell zu Ratschlägen springen. Ohne echtes Verständnis der Situation bleiben die Vorschläge oberflächlich.
- Immer dieselben Dreiergruppen. Neue Zusammensetzungen bringen frischere Perspektiven als eingespielte Gruppen.
Woher die Methode kommt
Die Grundlage bildet Troika Consulting, eine der 33 Liberating Structures von Henri Lipmanowicz und Keith McCandless. Die beiden entwickelten das Format unter anderem inspiriert von Übungen aus dem Improvisationstheater, insbesondere von Keith Johnstone. Der Name „brennende Fragen” greift auf, worum es im Kern geht: die dringlichste, oft unausgesprochene Frage zu einem Vorhaben in einem kleinen, vertrauensvollen Kreis zu klären.
KI-Hinweis: Dieser Text ist mit Unterstützung von KI entstanden.