Held*in und Mentor*in

Held*in und Mentor*in

Wer ist die Heldin eurer Geschichte?

In fast jeder guten Geschichte gibt es eine Heldin oder einen Helden mit einem Problem und eine Mentorin oder einen Mentor, die oder der beim Lösen hilft. Ein typischer Fehler bei der Vorstellung von Projekten ist, dass die eigene Organisation unbemerkt die Heldenrolle übernimmt: „Wir haben ein tolles Angebot entwickelt” statt „Eine Bürgerin hatte ein Problem, und unser Angebot hat ihr dabei geholfen.”

Diese Methode macht die Rollenverteilung bewusst sichtbar. Die Nutzende mit ihrem Bedarf ist die Heldin der Geschichte. Euer Team, euer Amt oder euer Angebot ist die Mentorin, die unterstützt, aber nicht selbst im Mittelpunkt steht.

Dauer: 20 bis 40 Minuten · Beteiligte: das Vorhaben-Team · Material: eine Vorlage mit den Feldern Heldin, Problem, Mentorin, Plan und Aufruf zum Handeln, Stifte

Auch allein anwendbar

Auch allein lässt sich diese Methode gut anwenden, besonders zur Überprüfung eines fertigen Textes. Geht einen Pitch, einen Projektbeitrag oder eine Präsentation satzweise durch und markiert bei jedem Satz: Spreche ich hier von der Nutzenden oder von uns selbst? Taucht euer eigenes Team deutlich häufiger auf als die Nutzende, lohnt sich eine Überarbeitung.

Wann sich die Methode lohnt

Die Methode spielt ihre Stärke aus, wenn

  • euer Pitch oder euer Projektbeitrag sich stark um das eigene Team oder Amt dreht, statt um die Menschen, denen ihr helfen wollt,
  • ihr eine Geschichte mit der Methode Die Pixar-Story gebaut habt und jetzt prüfen wollt, wer darin wirklich im Mittelpunkt steht,
  • ihr einen Text für die Website, einen Newsletter oder eine Bewerbung überarbeitet,
  • ihr merkt, dass eine Präsentation zwar informativ, aber seltsam unpersönlich wirkt.

Die Rollenverteilung

  • Die Heldin oder der Held: Die Person mit dem Bedarf, zum Beispiel eine Bürgerin oder ein Vereinsmitglied. Sie will etwas erreichen.
  • Das Problem, auf drei Ebenen: Das sichtbare Problem selbst, zum Beispiel ein unübersichtliches Formular. Das Gefühl dabei, zum Beispiel Unsicherheit oder Frust. Und der tiefere Grund, warum sich das Problem ungerecht anfühlt, zum Beispiel: Ehrenamtliche Arbeit sollte nicht an Bürokratie scheitern.
  • Die Mentorin oder der Mentor: Euer Team oder Angebot. Eine gute Mentorin zeigt zwei Dinge: Verständnis für das Problem und die Fähigkeit, wirklich zu helfen.
  • Der Plan: Ein paar klare, einfache Schritte, die die Heldin gehen kann, um ihr Ziel zu erreichen.
  • Der Aufruf zum Handeln: Ein konkreter nächster Schritt für die Heldin, zum Beispiel: „Ruft uns an” oder „Probiert den Lotsen aus.”

So geht ihr vor

1. Die echte Heldin benennen

Schreibt auf, wer in eurer Geschichte die Heldin ist. Prüft dabei kritisch: Ist das wirklich eine Nutzende, oder schleicht sich dort euer eigenes Team ein?

2. Das Problem auf drei Ebenen beschreiben

Füllt für die Heldin alle drei Problemebenen aus: das sichtbare Problem, das Gefühl dabei und den tieferen Grund.

3. Eure Rolle als Mentorin formulieren

Schreibt auf, wie euer Angebot Verständnis für das Problem zeigt und warum ihr wirklich helfen könnt.

4. Einen einfachen Plan aufschreiben

Fasst in drei bis vier Schritten zusammen, wie die Heldin mit eurer Hilfe zum Ziel kommt.

5. Den Aufruf zum Handeln klären

Legt fest, was die Heldin als Nächstes konkret tun soll.

6. Den Text gegenlesen

Geht euren fertigen Pitch oder Text noch einmal durch und prüft bei jedem Satz, wer gerade handelt: die Heldin oder die Mentorin.

So nutzt ihr das in der Kickbox

Beim Pitch vor der Jury entscheidet sich oft genau an dieser Stelle, ob eine Geschichte überzeugt oder nicht. Eine Jury hört lieber die Geschichte einer Bürgerin, die ein echtes Problem hatte und mit eurer Hilfe eine Lösung gefunden hat, als eine Erfolgsgeschichte über das eigene Projektteam. Geht deshalb kurz vor dem Pitch noch einmal durch, wie oft ihr „wir” sagt und wie oft ihr von der Nutzenden sprecht.

Die Methode hilft auch früher in der Kickbox, zum Beispiel beim Schreiben der Projektbeschreibung für die Bewerbung oder für Zwischenpräsentationen: Wird dort die Nutzende mit ihrem Bedarf sichtbar, oder beschreibt der Text vor allem, was euer Team gebaut hat?

Tipps aus der Praxis

  • Die Mentorin bleibt im Hintergrund. Eine gute Mentorin wirkt hilfreich und kompetent, drängt sich aber nicht in den Mittelpunkt.
  • Beide Seiten des Problems zeigen. Das sichtbare Problem allein wirkt oft trocken. Das Gefühl dabei macht die Geschichte persönlich.
  • Den Plan einfach halten. Drei bis vier Schritte reichen. Ein zu komplizierter Plan wirkt für die Heldin eher abschreckend als hilfreich.
  • Konkret bleiben. „Die Bürgerinnen und Bürger” ist eine Gruppe. Eine einzelne, vorstellbare Person wirkt als Heldin deutlich stärker.

Typische Stolpersteine

  • Die Mentorin wird zur zweiten Heldin. Wenn euer Team genauso ausführlich beschrieben wird wie die Nutzende, verschwimmt die Rollenverteilung wieder.
  • Die Mentorin wirkt überlegen statt hilfreich. Eine Mentorin, die von oben herab erklärt, schreckt eher ab, als dass sie Vertrauen aufbaut.
  • Das Problem bleibt zu abstrakt. Ohne das Gefühl dahinter bleibt die Geschichte eine reine Aufzählung von Fakten.
  • Kein klarer Aufruf zum Handeln. Ohne einen konkreten nächsten Schritt weiß die Heldin am Ende nicht, was sie tun soll.

Verwandte Methoden

Diese Methode ergänzt die Pixar-Story gut, weil beide mit der gleichen Grundidee arbeiten: einer Figur mit einem Problem, die eine Veränderung durchlebt. Als Grundlage für das Nutzendenprofil eignet sich der Value Proposition Canvas. Für den Einstieg in die fertige Geschichte passt anschließend der Geschichten-Köder.

Woher die Methode kommt

Im Kern baut die Methode auf der Heldenreise auf, einem Erzählmuster, das der Mythenforscher Joseph Campbell in seinem Werk über Mythen verschiedener Kulturen beschrieben hat: Eine Hauptfigur bricht auf, trifft auf eine helfende Gestalt und bewältigt eine Herausforderung. Für die Arbeit mit Organisationen und Angeboten wurde dieses Muster besonders durch Donald Miller und sein Buch „Building a StoryBrand” aus dem Jahr 2017 bekannt: Die Nutzende oder der Kunde ist die Heldin, die Organisation ist die Mentorin. Als eigene Karte mit dem Namen „Hero & Guide” findet sich die Idee außerdem im Kartenset „Storyteller Tactics” des britischen Journalisten Steve Rawling.

KI-Hinweis: Dieser Text ist mit Unterstützung von KI entstanden.