Eine Formel, die jede gute Geschichte trägt
Viele Vorhaben werden als Aufzählung vorgestellt: Das macht die Lösung, das ist die Zielgruppe, das sind die nächsten Schritte. Das ist richtig und wichtig, bleibt aber selten im Kopf. Eine Geschichte dagegen bleibt hängen, weil sie Spannung aufbaut und wieder aufgelöst wird.
Die Pixar-Story ist eine einfache Vorlage dafür. Sie besteht aus sieben Satzanfängen, die ihr einfach vervollständigt. Füllt ihr alle sieben Lücken, habt ihr eine kleine, runde Geschichte, egal wie knapp oder ausführlich ihr sie erzählt.
Dauer: 15 bis 30 Minuten · Beteiligte: allein oder im Team · Material: die sieben Satzanfänge auf einem Blatt oder Flipchart, Stifte
Die Pixar-Story lässt sich gut allein ausprobieren: Füllt die sieben Lücken für euch aus und lest das Ergebnis danach laut vor. Holpert ein Übergang beim Vorlesen, liegt dort meist noch eine Lücke in der Idee selbst, nicht nur in der Formulierung. Wenn möglich, lest die Geschichte zusätzlich einer anderen Person vor und fragt, an welcher Stelle ihr Interesse nachlässt.
Wann sich die Methode lohnt
Die Pixar-Story spielt ihre Stärke aus, wenn
- ihr eine Idee aus dem Value Proposition Canvas oder der Idee auf der Serviette habt und sie jetzt erzählbar machen wollt,
- ihr merkt, dass eure Präsentation aus einer Liste von Punkten besteht, statt eine Geschichte zu erzählen,
- ihr euch auf einen Pitch vorbereitet, also eine kurze, überzeugende Vorstellung eurer Idee,
- ihr prüfen wollt, ob eure Idee überhaupt einen roten Faden hat: eine Ausgangslage, eine Veränderung und ein Ergebnis.
Die sieben Bausteine der Pixar-Story
Jeder Satzanfang baut auf dem vorherigen auf. Am Beispiel einer Vereinsvorständin, die einen Förderantrag stellen will, sieht das so aus:
- Es war einmal eine Vereinsvorständin, die jedes Jahr einen Förderantrag für ihren Sportverein stellte.
- Jeden Tag kämpfte sie dabei mit unübersichtlichen Formularen und wechselnden Zuständigkeiten.
- Bis eines Tages eine wichtige Frist verstrich, weil ihr niemand rechtzeitig weiterhelfen konnte.
- Deshalb beschloss sie, dass sie beim nächsten Mal nicht mehr allein durch das Formular gehen wollte.
- Deshalb entwickelte unser Team einen digitalen Lotsen, der genau diese Fragen sofort beantwortet.
- Bis schließlich die ersten Vereine ihren Antrag ohne eine einzige Rückfrage beim Amt einreichen konnten.
- Und seit diesem Tag ist aus einem jährlichen Stressmoment eine Sache von zwanzig Minuten geworden.
So geht ihr vor
1. Die Figur wählen
Entscheidet, wessen Geschichte ihr erzählt. Meist ist das eine Person, die euren Bedarf hat, also eine Bürgerin, ein Vereinsmitglied oder eine Kollegin. Nicht euer Amt oder euer Team.
2. Die Lücken schnell füllen
Füllt alle sieben Satzanfänge zügig aus. Es muss noch nicht perfekt sein. Wichtig ist, dass jeder Satz logisch an den vorherigen anschließt.
3. Mehrere Versionen ausprobieren
Füllt die Vorlage ruhig zwei oder drei Mal mit unterschiedlichen Entscheidungen aus. Oft liegt die überzeugendste Version nicht in der ersten Fassung.
4. Laut vorlesen
Lest die fertige Geschichte laut vor, am besten jemandem, der die Idee noch nicht kennt. Hakt ein Übergang, überarbeitet genau diese Stelle.
5. Auf das Wesentliche kürzen
Streicht alles, was nicht zur Geschichte beiträgt. Eine knappe Fassung mit zwei Sätzen pro Baustein wirkt oft stärker als eine lange Version.
So nutzt ihr das in der Kickbox
Am Ende eurer Kickbox steht ein Pitch von fünf Minuten vor der Jury. Fünf Minuten reichen nicht für eine lange Herleitung, aber sie reichen für eine gute Geschichte. Baut euren Pitch deshalb entlang der sieben Bausteine auf, statt eure Funktionen und Meilensteine aufzuzählen. Die Jury merkt sich eine Geschichte über eine Vereinsvorständin, die ein Problem hatte und eine Lösung fand, deutlich besser als eine Liste von Projektschritten.
Die Methode lohnt sich aber nicht nur am Ende: Nutzt sie auch mitten in der Kickbox, um zu prüfen, ob eure Idee überhaupt schon eine runde Geschichte ergibt. Fehlt ein Baustein, etwa der Auslöser oder das greifbare Ergebnis, ist das ein Hinweis darauf, dass an dieser Stelle noch etwas Arbeit wartet.
Tipps aus der Praxis
- Konkret statt abstrakt. „Eine Vereinsvorständin” trägt die Geschichte besser als „die Nutzenden”.
- Den Alltag kurz halten. Baustein zwei dient nur dazu, die Ausgangslage zu zeigen. Zwei bis drei Sätze reichen.
- Den Auslöser deutlich machen. Ohne eine echte Störung im dritten Baustein wirkt die ganze Geschichte flach.
- Mit dem Ergebnis enden, nicht mit einem Ausblick. Baustein sieben zeigt, was sich wirklich verändert hat, nicht, was noch geplant ist.
Typische Stolpersteine
- Das eigene Amt oder Team als Figur wählen. Dann wird aus der Geschichte eine Selbstdarstellung statt einer Erzählung über einen echten Bedarf.
- Zu viele Details in den Alltag packen. Das verlangsamt die Geschichte, bevor sie überhaupt beginnt.
- Den Auslöser weglassen. Ohne ihn fehlt der Grund, warum sich überhaupt etwas ändert.
- Bei der ersten Fassung stehen bleiben. Eine zweite, geschärfte Version lohnt sich fast immer.
Verwandte Methoden
Die Pixar-Story baut gut auf dem Value Proposition Canvas auf, weil dort schon Aufgaben, Frust und Wünsche der Nutzenden gesammelt sind. Wenn ihr danach prüfen wollt, ob in eurer Geschichte wirklich die Nutzenden im Mittelpunkt stehen und nicht euer eigenes Team, passt die Methode Held*in und Mentor*in gut dazu. Für den ersten Satz eures Pitches hilft anschließend der Geschichten-Köder.
Woher die Methode kommt
Die Grundform stammt vom Improvisationslehrer Kenn Adams, der sie als Übung für das Theater entwickelte, um gemeinsam auf der Bühne Geschichten aufzubauen. Bekannt wurde sie unter dem Namen Pixar-Story vor allem durch Emma Coats, eine frühere Mitarbeiterin des Animationsstudios Pixar, die das Grundmuster 2012 in ihren vielzitierten „22 Regeln des Erzählens” aufgriff. Seitdem wird die Vorlage weit über das Erzählen von Filmgeschichten hinaus genutzt, etwa für Pitches, Gründungsgeschichten und Präsentationen.
KI-Hinweis: Dieser Text ist mit Unterstützung von KI entstanden.