Der Brief aus der Zukunft

Der Brief aus der Zukunft

Schon mal im Erfolg angekommen

Am Anfang eines Vorhabens ist meist unklar, wie der Erfolg am Ende genau aussieht. Pläne und Ziele bleiben oft abstrakt: mehr Nutzende, weniger Aufwand, zufriedenere Bürgerinnen und Bürger. Mit solchen Formulierungen lässt sich schlecht arbeiten, weil niemand genau weiß, wie sich das anfühlen oder aussehen soll.

Der Brief aus der Zukunft dreht die Blickrichtung um. Ihr versetzt euch gedanklich an einen Punkt, an dem euer Vorhaben bereits erfolgreich ist, und schreibt von dort aus einen Brief über den Weg dorthin. Das zwingt euch, konkret zu werden: Was genau ist passiert? Wer hat was gemerkt? Woran erkennt ihr den Erfolg?

Dauer: 30 bis 45 Minuten · Beteiligte: allein oder im Team · Material: Papier und Stift, ein ruhiger Ort zum Schreiben

Auch allein anwendbar

Der Brief aus der Zukunft eignet sich sehr gut für den Alleingang, weil es sich um eine persönliche Schreibübung handelt. Nehmt euch bewusst Zeit und einen ruhigen Ort, bevor ihr schreibt. Wenn ihr danach mögt, lest den Brief einer Kollegin oder einem Kollegen vor. Oft hilft schon die Reaktion einer anderen Person, um zu merken, welcher Teil des Briefes noch zu vage geblieben ist.

Wann sich die Methode lohnt

Der Brief aus der Zukunft spielt seine Stärke aus, wenn

  • ihr am Anfang eures Vorhabens steht und ein gemeinsames, konkretes Bild vom Erfolg braucht,
  • die Motivation im Team zwischenzeitlich nachlässt und ihr euch wieder vor Augen führen wollt, wofür ihr arbeitet,
  • euer bisheriges Ziel eher abstrakt klingt und ihr es greifbarer machen wollt,
  • ihr den letzten Baustein der Methode Die Pixar-Story, den neuen Zustand nach dem Erfolg, noch genauer ausarbeiten wollt.

So geht ihr vor

1. Einen Zeitpunkt in der Zukunft wählen

Legt fest, von wann aus ihr schreibt, zum Beispiel ein Jahr nach dem Start eures Vorhabens oder der Tag nach dem Pitch vor der Jury.

2. Sich den Erfolg konkret vorstellen

Überlegt euch, bevor ihr schreibt, was an diesem Zeitpunkt tatsächlich passiert ist. Wer nutzt euer Angebot? Was sagen diese Menschen darüber? Was hat sich im Vergleich zu heute verändert?

3. Den Brief schreiben

Schreibt aus der Zukunft an euch selbst, an euer Team oder an die Jury. Beschreibt im Rückblick, was passiert ist, welche Hindernisse ihr überwunden habt und wie sich der Erfolg anfühlt. Nutzt dabei ruhig anschauliche Beispiele und auch Gefühle, nicht nur Fakten.

4. Rückwärts arbeiten

Lest euren Brief noch einmal und fragt euch: Welche Schritte mussten dafür passiert sein? Welche Hindernisse mussten wir überwinden? Daraus ergibt sich eine Art Weg von heute zu diesem zukünftigen Erfolg.

5. Den Brief als Kompass nutzen

Hängt den Brief sichtbar auf oder legt ihn griffbereit ab. Schaut im Laufe eures Vorhabens immer wieder hinein, um euch an das Bild zu erinnern, das ihr euch gemacht habt.

So nutzt ihr das in der Kickbox

Schreibt den Brief aus der Zukunft am besten gleich zu Beginn eurer Kickbox, bevor ihr euch in Details verliert. Er gibt eurem ganzen Team ein gemeinsames Bild davon, wie ein gelungener Pitch vor der Jury und ein erfolgreiches Projekt aussehen. In Wochen, in denen ein Test schlecht läuft oder die Motivation sinkt, hilft ein Blick in den Brief oft mehr als eine neue Diskussion über die nächsten Schritte.

Der Brief ergänzt dabei die Methode Die riskanteste Annahme zuerst prüfen auf der entgegengesetzten Seite: Dort beschäftigt ihr euch damit, was schiefgehen könnte. Der Brief aus der Zukunft zeigt euch, wie es sich anfühlt, wenn alles gut geht, und motiviert gerade in den anstrengenden Phasen dazwischen.

Tipps aus der Praxis

  • Konkret statt allgemein schreiben. „Es läuft gut” sagt wenig. „Drei Vereine haben den Lotsen diese Woche genutzt und keine einzige Rückfrage mehr gestellt” sagt viel.
  • Gefühle zulassen. Ein Brief, der auch beschreibt, wie sich der Erfolg anfühlt, bleibt besser im Kopf als eine reine Aufzählung von Ergebnissen.
  • Realistisch bleiben. Der Brief soll motivieren, nicht unrealistische Erwartungen wecken, die später enttäuschen.
  • Im Team vorlesen. Schreibt mehrere Personen jeweils einen eigenen Brief, lohnt sich ein Austausch darüber, wo sich die Bilder vom Erfolg unterscheiden.

Typische Stolpersteine

  • Zu vage bleiben. Ohne konkrete Details bleibt der Brief ein netter Gedanke ohne Wirkung.
  • Nur die Lösung beschreiben, nicht die Wirkung. Wichtiger als die technischen Details ist, was sich für die Nutzenden tatsächlich verändert hat.
  • Den Brief nur einmal schreiben und dann vergessen. Der eigentliche Nutzen entsteht erst, wenn ihr im Laufe des Vorhabens immer wieder darauf zurückkommt.
  • Unrealistische Erfolge beschreiben. Ein Brief, der offensichtlich übertreibt, verliert seine motivierende Wirkung schnell wieder.

Woher die Methode kommt

Die Grundidee, sich eine gelungene Zukunft vorzustellen und von dort aus rückwärts zu planen, gehört zum Werkzeugkasten des sogenannten Backcasting aus der Zukunftsforschung. Als konkrete Schreibübung mit dem Namen „Brief aus der Zukunft” ist die Methode unter anderem im Innovation Wiki des verrocchio Institute dokumentiert, wo sie vor allem für die Arbeit an langfristigen Zielen und nachhaltigen Vorhaben beschrieben wird.

KI-Hinweis: Dieser Text ist mit Unterstützung von KI entstanden.