Die Crazy 8s

Die Crazy 8s

Acht Ideen in acht Minuten

Wenn wir an einer Lösung arbeiten, bleiben wir gern bei der ersten Idee hängen, die uns einfällt – und feilen dann stundenlang an ihr herum. Die Crazy 8s brechen dieses Muster auf: Jede Person faltet ein Blatt Papier in acht Felder und skizziert in acht Minuten acht verschiedene Ideen. Pro Feld also rund eine Minute. Das ist bewusst zu wenig Zeit, um es sich schön zu überlegen. Genau das ist der Trick.

Die naheliegenden Ideen kommen in den ersten zwei, drei Feldern raus. Ab Feld vier oder fünf wird es interessant, weil ihr gezwungen seid, weiterzudenken, zu variieren und auch mal etwas Unvernünftiges aufzuschreiben. Am Ende habt ihr im Team schnell ein breites Feld an Ansätzen, aus dem ihr auswählen könnt.

Dauer: 15 bis 20 Minuten inklusive Vorstellen · Beteiligte: alle im Vorhaben-Team, jede Person arbeitet zuerst für sich · Material: ein Blatt Papier pro Person, Stift, sichtbarer Timer

Wann sich die Methode lohnt

Die Crazy 8s spielen ihre Stärke aus, wenn

  • ihr einen klaren Bedarf oder eine klare Frage habt und jetzt Lösungsideen braucht,
  • ihr im Kickbox-Prozess schnell von einer Idee zu mehreren Alternativen kommen wollt,
  • die Diskussion sich um einen einzigen Vorschlag dreht und ihr den Blick wieder weiten wollt,
  • ihr einen Workshop mit einer aktivierenden Übung starten wollt.

Weniger geeignet sind die Crazy 8s, wenn die zugrunde liegende Frage noch unklar ist. Dann produziert ihr acht Antworten auf acht verschiedene Fragen. Klärt vorher, worum es genau geht – etwa mit den Fünf mal warum oder mit Jobs to be Done.

So geht ihr vor

1. Das Blatt vorbereiten

Jede Person faltet ein Blatt Papier zweimal längs und einmal quer, sodass acht gleich große Felder entstehen. Oben auf das Blatt schreibt ihr die gemeinsame Ausgangsfrage.

2. Die Frage gemeinsam festhalten

Formuliert die Frage so, dass alle dasselbe darunter verstehen, zum Beispiel: „Wie könnte ein Amt Rückmeldung zum Bearbeitungsstand geben?” oder „Auf welchen Wegen könnten Ehrenamtliche von einer Förderung erfahren?”

3. Acht Minuten, acht Felder

Startet den Timer. Pro Feld skizziert ihr eine Idee, ungefähr eine Minute Zeit. Es geht um Skizzen und Stichworte, nicht um ausformulierte Konzepte und nicht um schöne Zeichnungen. Strichmännchen und Kästchen reichen völlig.

4. Der Stift bleibt in Bewegung

Verwerft keine Idee, weil sie zu naheliegend oder zu abwegig wirkt. Wenn euch nichts einfällt, variiert die vorige Idee: anderer Ort, andere Person, das Gegenteil, die übertriebene Version. Wichtig ist, dass am Ende alle acht Felder gefüllt sind.

5. Vorstellen und auswählen

Nach den acht Minuten stellt jede Person ihr Blatt kurz vor. Danach bewertet ihr die Ideen, zum Beispiel mit Klebepunkten, und nehmt ein bis zwei Ansätze mit in die nächste Runde – etwa in einen Prototyp oder einen Test.

Warum Skizzen statt Worte

Eine grobe Skizze zwingt euch, eine Idee konkret zu machen: Wer skizziert, muss sich festlegen, wie etwas aussehen oder ablaufen soll. Text bleibt oft vage. Außerdem sind Skizzen schneller zu erfassen, wenn ihr am Ende acht Blätter mit je acht Ideen im Team durchgeht. Es geht dabei nicht um Zeichentalent, sondern darum, einen Gedanken in wenigen Strichen sichtbar zu machen.

Tipps aus der Praxis

  • Timer sichtbar aufstellen. Der Zeitdruck ist Teil der Methode, nicht ein notwendiges Übel.
  • Keine Kunstwerke. Sagt das vorab deutlich, sonst verbringen alle die erste Minute mit dem perfekten Rahmen.
  • Perspektivwechsel als Anstoß. Wenn die Gruppe stockt: „Wie würde ein Kind das lösen? Wie ein Konzern? Wie jemand ganz ohne Budget?”
  • Erst allein, dann teilen. So bringt jede Person ihre eigenen Ideen ein, bevor die lautesten Stimmen den Ton angeben.
  • Mehrere Runden sind erlaubt. Eine zweite Runde auf Basis der besten Ideen aus Runde eins bringt oft die tragfähigsten Ansätze.

Typische Stolpersteine

  • An einer Idee festkleben. Wer Feld eins in acht Varianten durchdekliniert, verfehlt den Zweck. Sucht bewusst nach echten Alternativen.
  • Zu viel Text. Wenn ihr Sätze schreibt statt zu skizzieren, schafft ihr die acht Felder nicht – und das ist gewollt.
  • Die Timebox aufweichen. „Nur noch zwei Minuten mehr” untergräbt den Effekt. Lieber eine zweite Runde ansetzen.
  • Skizzen statt Ideen bewerten. In der Auswahlrunde zählt der Gedanke dahinter, nicht wie gut jemand zeichnen kann.
  • Sofort in die Diskussion. Erst sammeln und still arbeiten, dann vorstellen, dann bewerten – nicht alles gleichzeitig.

Woher die Methode kommt

Die Crazy 8s stammen aus dem Design Sprint, den Jake Knapp bei Google Ventures entwickelt und in seinem Buch Sprint beschrieben hat. Bekannt gemacht hat das Format unter anderem die Agentur AJ&Smart. Verwandt ist die Methode mit Brainwriting-Techniken wie der 6-3-5-Methode: viele Ideen in kurzer Zeit, erst in Einzelarbeit, dann gemeinsam. Als schneller Ideenschritt lassen sich die Crazy 8s gut in größere Formate einbauen, etwa in die Lösungsphase des Lightning Decision Jam.

KI-Hinweis: Dieser Text ist mit Unterstützung von KI entstanden.